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Interview

Derakhshan: „Der Aufwand war enorm groß“

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In der Jugend spielte er zwölf Jahre für Werder Bremen, nun sorgt er als U19-Trainer des SC Victoria Hamburg für Furore. In der U19-Regionalliga führte Hamid Derakhshan Vicky sogar auf den fünften Rang. Wir haben mit dem 34-Jährigen über die Regionalliga-Saison, seine persönliche Karriere und sein Kurz-Intermezzo bei der Oberliga-Truppe der Blau-Gelben gesprochen.

afh.de: Viele unserer Leser werden Dich nicht kennen, Hamid. Stelle Dich bitte einmal kurz vor.

Derakhshan: „Ich bin mit neun Jahren aus dem Iran nach Deutschland gezogen, habe dann hier eine Schule besucht und später mein Studium im Internationalen Handel abgeschlossen. In diesem Bereich arbeite ich als „Area Sales Manager“ und bin hauptsächlich für den Import von Seafood nach Deutschland verantwortlich. Meine Fußballerische Karriere startete beim SV Werder Bremen, als ich neun Jahre alt war. Meine Trainertätigkeit habe ich mit 25 Jahren in der Kreisklasse begonnen und mich bis zur Landesliga-Herren – später Jugend-Regionalliga – hochgearbeitet. Seit nun mehr als zwei Jahren lebe ich in Hamburg und habe zuerst die U17 vom SC Victoria Hamburg und später die U19-Regionalliga übernommen.“

afh.de: Bei der A-Jugend hattest Du ja großen Erfolg. Immerhin habt Ihr es auf Anhieb auf den fünften Rang geschafft. Als Aufsteiger nicht unbedingt selbstverständlich. Was war Dein Rezept?

Derakhshan: „Wir mussten 18 neue Spieler integrieren. Wir wussten zuerst gar nicht, dass wir Regionalliga spielen werden – deshalb begann unsere Personalplanung auch so spät. Dann mussten wir etwas zusammenbasteln. Wir haben uns dann dazu entschieden, viele junge Spieler aus der B-Jugend in die A-Jugend zu holen – auch um Talente zu entwickeln. Das war eine große Aufgabe, aus diesen ganzen talentierten Jungs eine Mannschaft zu formen. Wir haben auf viele Teambuilding-Maßnahmen gesetzt. Aber auch die Rahmenbedingungen waren uns sehr wichtig, wir wollten gerade nach außen hin als Team wahrgenommen werden. Das Team hat sich dann schnell zusammengefunden und spätestens nach dem fünften Spieltag konnte man das auch an den Ergebnissen sehen. Zudem haben wir sehr viel analysiert, um irgendwann die besten Bedingungen, für die vielen erfolgshungrigen Spieler, zu haben. Das war für den gesamten Trainerstab ein enormer Aufwand, aber auch ausschlaggebend für die gute Saison.“

afh.de: Und dann durftest Du auch bei der Oberliga-Mannschaft an die Seitenlinie!?

Derakhshan: „Das war gegen den Klub Kosova und den FC Süderelbe. Für mich war das eine extra Motivation vom Verein, sozusagen ein Bonbon. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht, die Mannschaft als Liga-Trainer anzuführen. Ich glaube auch, dass die Jungs gemerkt haben, dass ich Spaß daran hatte. Ich wollte den Jungs vermitteln, dass es etwas Besonderes ist, für Victoria zu spielen. Im Herren-Fußball werden viele Dinge vorausgesetzt. Aber es ist auch so, dass man mit den Spielern anders umgehen muss. Das setzt sich schon deutlich vom Jugend-Fußball ab. Aber im Großen und Ganzen gibt es da schon Überschneidungen. Mein gesamter Eindruck war, von der ganzen Mannschaft, durchaus sehr positiv.“

afh.de: Du hast ja auch selbst, beim  SV Werder Bremen, Fußball gespielt. Wie war die Zeit so?

Derakhshan: „Ich habe über zwölf Jahre bei Werder Bremen gespielt. Dabei habe ich auch viele spätere Profis kennengelernt. Die bekanntesten Spieler sind dabei Simon Rolfes, Nelson Valdez oder auch Christian Schulz. Ich habe bei Werder schon sehr früh in der A-Jugend gespielt, durfte dann auch gleich mit ins Trainingslager. Leider bin ich nie wirklich so im Profi-Bereich angekommen. Ich war wahrscheinlich nicht talentiert genug dazu. Es gab einfach Jungs, die waren deutlich besser als ich. Dennoch war es eine super prägende Zeit. Ich habe dort gelernt, wie der Leistungsfußball funktioniert. Und bis heute ist der Kontakt ist zu vielen Leuten noch nicht abgerissen. Mit vielen habe ich heute noch guten Kontakt.“

afh.de: Wenn man Deinen Namen googelt, dann fällt einem sofort etwas auf. Man findet viele Einträge zum Fußballer Hamid Derakhshan. Wie kam es dazu, dass Du den gleichen Namen trägst?

Derakhshan: „Ich werde sehr oft darauf angesprochen, ob ich der iranische Fußballer Derakhshan bin. Mein Großvater hatte immer eine besondere Beziehung zu diesem Spieler. Und er wollte unbedingt, dass ich auch Hamid als Vornamen trage. Leider hatte ich nie das Vergnügen, diesen Spieler persönlich kennen-zulernen. Ich habe aber auch gar keinen großen Bezug zu diesem Spieler. Als ich angefangen habe Fußball zu spielen, da hatte er seine aktive Karriere schon beendet und war danach nur noch als Trainer aktiv.“

afh.de: In Deinem Team sind auch einige Talente, haben wir uns sagen lassen. Gerade sind zwei Deiner Jungs zur A-Jugend-Bundesliga-Truppe des FC Sankt Pauli gewechselt. Macht Dich das stolz?

Derakhshan: „Wir haben großen Wert auf das Team gelegt. Die Entwicklung war dann so erfreulich, dass wir nun drei Spieler an die eigene Herren-Oberligamannschaft abgegeben und zwei Spieler zum FC Sankt Pauli gegeben haben. Wir sind sehr froh, dass es geklappt hat. Zudem bin ich auch sehr stolz auf die Jungs. Gerade bei Christian Conteh, der eigentlich nur Offensiv gespielt hat. Inzwischen arbeitet er auch wunderbar mit nach hinten und ist zudem auch bester Torschütze der Regionalliga Nord gewesen. Aber auch Finn Schütt ist in der letzten Saison sehr gereift und hat sich zum absoluten Leistungsträger entwickelt. Aber es gibt auch ein paar andere Spieler, denen ich den Sprung gewünscht hätte. Viele von uns haben das Zeug, noch höher zu spielen. Ich würde mir wünschen, dass es für die Jungs klappt.“

afh.de: Zuletzt hast Du bei der Trainer-Schulung mit Mehdi Mahdavikia und Ferydoon Zandi zusammen Deine Jugend-Elite-Lizenz erfolgreich erworben. Tauscht ihr Euch auch regelmäßig aus?

Derakhshan: „Ich habe beiden damals schon vor dem Fernseher gerne zugeguckt und lange verfolgt. Ich empfinde es schon als Ehre, mit diesen Jungs zusammen auf einem Trainer-Lehrgang gewesen zu sein. Da habe ich auch meine Jugend-Elite-Lizenz gemacht und konnte mich somit auch für den A-Lizenz-Lehrgang qualifizieren. Man kann nicht sagen, dass ein Traum in Erfüllung gegangen ist, aber es ist schon etwas sehr besonderes. Beide waren sehr gute Fußballer, die auch ein sehr hohes Spielverständnis hatten. Zudem sind beide meine Landsleute. Ich bin mit Mehdi schon seit zwei Jahren gut befreundet, wir tauschen uns auch regelmäßig aus. Wir telefonieren fast täglich und sprechen über Fußball.“

afh.de: Pep Guradiola und Jose Mourihno sind gute Fußball-Trainer. Wer ist Dein Trainer-Vorbild?

Derakhshan: „Ganz klar Johan Cruyff. Seine Philosophie und die Art und Weise, wie er Fußball spielen lassen hat, hat mir sehr imponiert. Zudem war sein Auftreten sehr prägend für mich. Das ist mir schon als Kind in Erinnerung geblieben. Pep Guardiola war zudem mein Lieblingsspieler. Dementsprechend kann man sich ausmalen, welchen Einfluss Cruyff auf Guardiola hatte. Deshalb mag ich auch Pep als Trainer sehr gerne. Beide unterscheiden sich nur unwesentlich voneinander. Cruyff war seiner Zeit voraus. Trotzdem wird sein Fußball bis heute noch gespielt. Er wollte schon damals viel den Ball haben und mit Kurzpässen das Spiel dominieren. Und das ist bis heute noch aktuell. Wenn ich die Chance hätte, mal zwei Stunden mit Guardiola über Fußball zu sprechen, wäre das natürlich ein Traum von mir.“

Foto: Privat

Chefredakteur: Niklas ist Initiator von Amateur Fußball Hamburg und somit seit der ersten Stunde mit an Bord. Der 22-Jährige interessiert sich für alles, was im Hamburger Amateurfußball vor sich geht und hat dieses Projekt deshalb ins Leben gerufen.