Donnerstag, 23. November 2017
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FCB-Dreier: Jung-Rot leitet HSV-Pleite ein

Déjà-vu für den Hamburger SV: 0:1 gegen den FC Bayern München vor ausverkauftem Volkspark. Wie schon im letzten Jahr reichte es trotz kämpferisch einwandfreier Leistung nicht zu Punkten. Einer der Gründe und Streitpunkte: Die fragwürdige rote Karte kurz vor der Pause für Gideon Jung.

Andre Hahn (li.) kämpft in dieser Szene gegen Mats Hummels (re.) um den Ball. Foto: KBS-Picture

Die Rothosen starteten gut in die Partie, stellten die Räume früh zu und ließen dem Rekordmeister aus München so kaum ins Spiel kommen. Entsprechend schwer taten sich die Heynckes-Schüler auch in den ersten zehn Minuten. Erst nach einer knappen Viertelstunde profitierte Arjen Robben von einem Wood-Fehlpass im Mittelfeld und ließ Rick van Drongelen auf der rechten Außenbahn stehen. HSV-Keeper Christian Mathenia war bei dem Abschluss des Holländers bereits abgetaucht, doch Mergim Mavraj warf sein Bein noch im letzten Moment in den Schuss (13.). Die beste Bayern-Chance im ersten Abschnitt vergab kurz darauf erneut Robben, der von Corentin Tolisso auf die Reise geschickt wurde. Doch der FCB-Akteur legte sich die Kugel zu weit vor, hämmerte seinen Abschluss nur ans Außennetz (21.). Nach etwas mehr als einer halben Stunde meldeten sich dann erstmals die Rothosen zu Wort. Mats Hummels verschätzte sich gegen Gideon Jung im eigenen Sechzehner, machte den Ball so scharf. Die anschließende Flanke von Andre Hahn verpuffte aber wirkungslos, weil kein Abnehmer im Fünfer bereit stand (31.). Kurz vor der Pause wurde es dann knifflig: Coman war auf und davon und wurde von Jung kurz hinter der Mittellinie abgeräumt. Referee Marco Fritz zeigte dem Hamburger glatt Rot – eine sehr harte, aber wohl vertretbare Entscheidung (39.). Mit vielen Diskussionen ging es wenige Minuten später in die Pause. Der zweite Durchgang begann dann mit einem Paukenschlag. Arturo Vidal versuchte sein Glück aus rund 20 Metern, sein Schuss wurde sogar noch abgefälscht. Die Kugel verfehlte ihr Ziel nur um wenige Zentimeter (48.).

Bobby Wood blieb, wie auch schon in den letzten Wochen, ohne Durchschlagskraft. Foto: KBS-Picture

Knappe vier Minuten später ging die Heynckes-Truppe dann in Front. Corentin Tolisso war der Nutznießer und drückte die Kugel – nach vorherigem Gewühle im Sechzehner – aus kurzer Distanz über die Linie (52.). Ein geschockter HSV? Von wegen! Keine 120 Sekunden später verpassten die Hausherren nur äußerst knapp den Ausgleich. Gotoku Sakai kämpfte sich gleich gegen drei Bayern-Spieler vorbei und ging dann im Sechzehner zu Boden. Fritz entschied auf Weiterspielen und Andre Hahn zirkelte die Kugel ins linke obere Kreuzeck. Doch der 27-Jährige hatte die Rechnung ohne Sven Ulreich gemacht, der sich streckte und die Pille noch auf dem Kreuzeck fischte (54.). In der Folge verflachte die Begegnung, die Gäste drückten trotzdem auf den zweiten Treffer. Nach rund 70 Minuten hatten die Rothosen dann Glück. Nach einem Eckball semmelte Mats Hummels die Kugel aus kurzer Distanz nur an den Pfosten (70.). Und die Gisdol-Equipe? Versuchte sich mit Kontern, allerdings ohne Erfolg. Der HSV-Trainer brachte Kostic und Ito für van Drongelen und Hahn, warf so alles nach vorne. Die Münchener ließen acht Minuten vor Ultimo die dicke Chance zur Entscheidung liegen. Lewandowski schickte Robben auf die Reise, der in HSV-Keeper Mathenia aber seinen Meister fand (82.). Kurz darauf schepperte sogar erneut das Aluminium. Tolisso schraubte sich nach einem Eckball am ersten Pfosten hoch und nickte die Kugel dagegen (83.). Auch Robert Lewandwoski verpasste es kurz vor Schluss, die Partie endgültig zu entscheiden. Sein Hackentrick landete neben dem Tor (90.+2). „Rot-Sünder“ Gideon Jung befand nach dem Spiel in der Mixed-Zone:

FCB-Coach Jupp Heynckes lobte im Anschluss den HSV in den höchsten Tönen. Foto: KBS-Picture

„Für mich ist das ziemlich hart. Das ist natürlich ein klares Foul, aber keine rote Karte. Der Mannschaft hat das natürlich geschadet. Mit einem Mann mehr, hätte man deutlich mehr leisten können“, ärgerte sich Jung und fügte an: „Jeder, der mal Fußball gespielt hat weiß, dass man auch mal härter sein Tor verteidigt. Ich bin kein Spieler, der andere wild umhaut. Deswegen ist es auch meine erste rote Karte. Trotzdem bin ich sehr stolz auf die Mannschaft“, erklärte Jung weiter, der nun die Sperre abwartet: „Die Entscheidung liegt nun beim DFB/DFL. Ich bin auf das Ergebnis gespannt, ändern kann ich es sowieso nicht.“ Auch sein Teamkollege Aaron Hunt ärgerte sich über die Entscheidung. „Wir hätten das Spiel gerne länger offen gehalten. Im Spiel sah es für mich so aus, als wenn man da kein Rot geben muss“, so der 31-Jährige. Auch Abwehrkollege Dennis Diekmeier nahm Jung im Nachgang in Schutz. „Es ist extrem bitter, weil wir ein sehr gutes Spiel gemacht haben. Ich war letzter Mann und hätte Coman noch ablaufen können. So eine Szene sieht man immer wieder in der Bundesliga. Das war niemals eine rote Karte“, so Diekmeier, der anfügte: „Ein Bayern-Spieler hätte für diese Aktion wohl kein Rot bekommen.“ FCB-Coach Jupp Heynckes lobte den HSV: „Für mich war schon vor dem Spiel klar, dass das in Hamburg nicht einfach wird. Der HSV hat heute eine überragende kämpferische Leistung gebracht. Von der ersten bis zur letzten Minute wurde hier gefightet“, so Heynckes. HSV-Trainer Markus Gisdol kam abschließend noch auf die Schlüsselszene zu sprechen. „Die rote Karte war viel zu hart. Gelb während ausreichend gewesen.“

Foto: KBS-Picture

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Über Niklas Heiden

Niklas Heiden

Chefredakteur: Niklas ist Initiator von Amateur Fußball Hamburg und somit seit der ersten Stunde mit an Bord. Der 18-Jährige interessiert sich für alles, was im Hamburger Amateurfußball vor sich geht und hat dieses Projekt deshalb ins Leben gerufen.