Samstag, 25. März 2017
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Großkopf: „Unser Team wird fit sein“

Interview: Der Wedeler TSV geht in der kommenden Spielzeit als Landesliga-Aufsteiger wieder in der Oberliga Hamburg an den Start. Neu dabei ist Jörn Großkopf als Trainer. Wir sprachen mit dem 49-Jährigen im Vorfeld über die Mannschaft, seine Pläne und den Hamburger Fußball.

Hallo Jörn, schön, dass Du Zeit gefunden hast. Beginnen wir mal mit dem wichtigsten Thema, Deinem neuen Verein, dem TSV Wedel. Wie und wann ist der Kontakt zustande gekommen?

Großkopf: Ich stehe seit längerem in Kontakt mit Frank Ockens, dem sportlichen Leiter in Wedel. Für uns war es schon länger ein Thema, mal etwas gemeinsam zu machen. Kurz nachdem „Ocker“ in Wedel eingestiegen ist, hat er mich angesprochen und wir haben uns zusammen gesetzt und ein gutes Gespräch gehabt. Mitte März bin ich in Poppenbüttel ausgestiegen und es kam auch noch das Angebot aus Uerdingen. Dort hatte ich die Gelegenheit mit Profis zu  arbeiten und habe das natürlich ab 01.04.2016 wahrgenommen. Mit Wedel gab es die Vereinbarung, dass ich als Trainer für den TSV arbeite, wenn ich nicht in Uerdingen über die Rückrunde hinaus bleibe und nun bin ich Trainer beim Wedeler TSV.

Mit welchem Plan gehst Du an die Arbeit in Wedel?

Großkopf: Auf alle Fälle möchte ich mittel- und langfristig etwas aufbauen. Ich habe dem Verein ein grundsätzliches Konzept vorgelegt, welches fast deckungsgleich mit den Plänen von Ockens ist. Wir wollen die Mannschaft verjüngen, einen soliden Unterbau mit der Jugend und einer 2.Mannschaft schaffen.

Wie findest Du das Umfeld in Wedel? Bezogen auf die personelle und sportliche Infrastruktur?

Großkopf: Großartig, aber auch in gewisser Hinsicht ausbaufähig. Wir werden versuchen möglichst professionell zu arbeiten. Die Möglichkeiten für Training und das Spiel sind hervorragend – wir haben zwei Rasenplätze, einen Kunstrasen, Fitnessmöglichkeiten, Besprechunsgräume und vieles mehr.

Wedel hat mit Aytac Erman den überragenden Stürmer der Landesliga verloren. Warum habt Ihr Erman nicht halten können und wie werdet Ihr den Verlust kompensieren können?

Großkopf: Ich habe auch mit Erman gesprochen und wir haben ihm ein wirklich sehr gutes Angebot gemacht. Aber ausschlaggebend war sicherlich das Gehalt in Ottensen. Wenn er dazu noch eine Lehrstelle bekommen sollte, kann ich das einerseits sogar verstehen. Andererseits kann ich es nicht nachvollziehen, da ich als Fußballer immer in der höheren, bzw. höchsten Klasse spielen möchte. Wir haben mit Folarin einen guten Ersatz gefunden. Dazu kommt, dass ich unser Spiel taktisch verändern werde. Zum Trainingsbeginn werden außerdem noch einige Spieler vorspielen. Und wir haben mit Niklas Sabas einen robusten Innenverteider verpflichtet, der auch in der Kette rechts einsetzbar ist.

Also werdet ihr Defensiver spielen? Wie wollt Ihr in der Oberliga bestehen?

Großkopf: Es gibt den alten Spruch: „Die Offensive gewinnt Spiele und die Defensive Meisterschaften.“ Aber mehr kann und will ich zum jetzigen Zeitpunkt gar nicht dazu sagen, dass wäre einfach nicht richtig. Grundlage für unser Spiel wird meiner Auffassung nach die Fitness. Demzufolge werden wir in der Vorbereitung nahezu täglich trainieren. Aber ganz überwiegend mit Ball in den Übungen.

Welche Ziele hast du für die kommende Saison und wer ist für Dich Favorit auf die Meisterschaft?

Großkopf: Das Ziel ist für uns, dass sich das Team in dieser Saison etabliert und festigt. Und dazu werde ich eine fitte Mannschaft an den Start bringen, da bin ich mir ziemlich sicher. Wenn die TuS Dassendorf nicht mit Abstand Meister wird, dann weiß ich auch nicht. Die haben mit Schied, Aust, Müller und Stadel überragende Akteure in den Reihen, dass es wieder dicke für die Meisterschaft reichen wird.

Wer unterstützt dich im Trainerteam?

Großkopf: Co-Trainer wird bekanntermaßen Daniel Domingo, den ich aufgrund seiner Erfahrung für einen hervorragenden Fachmann halte. Davor Celic wird zudem das Trainerteam unterstützen. Mit Fabian Lucassen sind wir in Verhandlungen für den Job des Torwarttrainers und das ist ja bekanntlich auch kein unbeschriebenes Blatt. Darüberhinaus gibt es drumherum viele Personen, die sich intensiv um die Liga und den Verein kümmern. Da seien zunächst nur die Zessins und Frank Ockens genannt.

Hast Du eigentlich eine vertragliche Ausstiegsklausel, wenn ein Profi-Verein anklopfen sollte?

Großkopf: Ja, die gibt es tatsächlich, falls sich das ergeben sollte. Wir haben ein Agreement, dass ich interessante Angebote ab der Regionalliga annehmen darf. Aber ich möchte betonen, dass ich in Wedel mit viel Herzblut an meine Arbeit gehe und mir vorstellen kann, dort auch länger zu arbeiten. Ich gehe nicht davon aus, dort nur ein Jahr an der Seitenlinie zu stehen. Und ich bin nicht so vermessen, zu glauben, dass ich nur weil ich Fußball-Lehrer bin, die Angebote alle paar Tage kommen. Es gibt so viele arbeitslose Trainer. Andre Trulsen hat seit Zornigers Abgang in Stuttgart z.B. auch keinen Job mehr.

Dein Engagement in Uerdingen war ja eher vor kurzer Dauer. Woran lag es und wie war die Zeit?

Großkopf: Das war ein erfolgabhängiges Engagement. Der Verein wollte trotz großen Rückstandes auf Wuppertal unbedingt den Aufstieg schaffen und hatte aber derartig viele Nebenkriegsschauplätze aufzuweisen, dass es sehr schwer wurde, den Focus auf die sportliche Perfomance zu lenken. Es war für mich eine sehr lehrreiche Erfahrung, die ich für mein Leben mitnehmen werde.

Und wie war die Arbeit mit Mo Idrissou? Der gilt doch im allgemeinen als nicht pflegeleicht?

Großkopf: Mo Idrissou hat sich bei mir nichts zuschulden kommen lassen. Im Gegenteil, er war immer engagiert und diszipliniert. Allerdings habe ich ihn einmal nicht aufgestellt, weil ich etwas anderes probieren wollte. Seitdem standen wir beide niemals wieder zusammen auf einem Trainingsplatz.

Davor warst Du SCP-Trainer, nur hat man Dich nie auf der Bank gesehen. Wie war das vereinbart?

Großkopf: Ich habe allein- und hauptverantwortlich das Training geleitet. Unterstützt wurde ich dabei von Helge Mau. Olaf Ohrt war eher selten auf dem Trainingsplatz und hat bei den Spielen gecoacht.

Also war das eine Art Arbeitsteilung? In den meisten Mannschaften wird nach Trainingsleistung und -beteiligung aufgestellt. Hattest Du Einfluss auf den Einsatz der Spieler in der Liga?

Großkopf: Das kann man Arbeitsteilung nennen. Die Aufstellung hat Olaf Ohrt gemacht, mit den Spielern, die er für die besten hielt. Aber das ist natürlich ein Modell, dass es mit mir in Zukunft nicht mehr geben wird. Ich will als Chefttrainer an der Linie stehen und nicht eine Mannschaft nur auf Vordermann bringen.

Wie siehst Du denn die Abhängigkeit der Vereine von nur einem Sponsor – wie ist das in Wedel?

Großkopf: Diese Abhängigkeit ist sicher nicht förderlich für einen Verein, der plötzlich von der Oberliga in die Kreisklasse rutscht, weil der Sponsor aufhört. Das haben die Beispiele von Poppenbüttel und VFL93 ausreichend bewiesen. Mit der Betonung, dass es hier nicht zwingend nur an Olaf Ohrt lag. Soweit ich weiß, sind wir in der Beziehung in Wedel sehr gut aufgestellt und es gibt mehrere Sponsoren.

In der Oberliga Hamburg bist Du auch Trainer mit Niendorf und später der U23 von St. Pauli gewesen. Allerdings ist das schon etwas her. Hast Du noch Kenntnisse über die Oberliga?

Großkopf: Ja, klar! Ich habe mir in den vergangenen Jahren immer viele Spiele der Oberliga Hamburg angeschaut und bin durchaus auf dem laufenden, was sich in der Zeit so alles getan hat.

Sind aus Deiner U19 von St. Pauli eigentlich viele Spieler Profi geworden?

Großkopf: Das sind durchaus einige gewesen. Ömer Sismanoglu ist einer, Schnecke Kalla hat bei uns mitgespielt, Hauke Brückner, Dennis Daube (Union Berlin), Filipovic, Drobo-Ampen und Marlon Krause.

Foto: Privat

Über Stefan Knauß

Stefan Knauß
Redakteur: Stefan Knauß ist 52 Jahre alt, DiplomSozialÖkonom und seit 40 Jahren dem Lieblingssport Fußball verbunden. Er arbeitet als "freelancer" für verschiedene Formate rund um den Hamburger Amateurfußball.