Samstag, 20. Oktober 2018
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Klookschieter: „Richter-Entlassung“ – T05 und Meister

Klookschieter, auf hochdeutsch Klugscheißer: In unserer Kolumne fasst unser Chefredakteur Niklas Heiden sein wichtigstes Thema der vergangenen letzten Woche zusammen. Heute im Blickpunkt: Die „Entlassung“ von Jean-Pierre Richter und das Meister-Streben von Teutonia 05.

Als in den letzten Wochen die Info durchsickerte, dass der SC Victoria Hamburg sich von seinem Trainer Jean-Pierre Richter getrennt habe, dürften doch viele eher überrascht gewesen sein. Tatsächlich muss ich zugeben, dass sich die Recherche auch eher schwierig gestaltete. Aber nach und nach kamen immer mehr Details ans Licht, die mir mal ordentlich die Sprache verschlagen haben. Und zwar wurde Richter doch gekündigt – nämlich das Arbeitsverhältnis. Denn: Richter war bei Vicky festangestellt und hat sich neben seinem Job als Liga-Trainer und Manager, sich auch noch um die Jugendabteilung, die Pressearbeit, die „U23“ und vieles weiteres gekümmert. Doch warum hat der Verein dieses Arbeitsverhältnis aufgelöst? Ganz einfach: Wer sich die Mitgliederversammlungen des Vereins in den letzten Jahren angeschaut hat bemerkt, dass es dem Verein finanziell gar nicht mehr so gut geht, wie es nach außen hin scheint. Der neue Kunstrasen hat da wohl doch ein größeres Loch in die Kasse gerissen. Aber dann ist natürlich logisch, dass man zuerst an dem spart, der den Etat in den letzten zwei Jahren um mehrere zehntausend Euro gesenkt hat. Sollte jedem einleuchten. Facepalm! Es wirkt ein bisschen wie Real-Satire. Wer bis heute glaubt, dass bei Vicky noch wirklich hohe Gehälter gezahlt werden, dem sei gesagt, dass der SCV finanziell teilweise eher an einen Aufsteiger erinnert. Noch viel interessanter ist aber fast der Fakt, was nach den Meldungen passierte. Aktiv sprachen andere Vereine bereits mit Spielern, ob sie nicht im Winter oder Sommer würden wechseln wollen. Hallo, geht’s noch? Wir sind hier immer noch im Amateurfußball und nicht in der Bundesliga. Da sollte es doch ein Minimum an Respekt für den anderen Verein geben, oder?

Überrascht hat in dieser Woche eindeutig Teutonia 05. Nicht nur mit dem Auswärtssieg bei der TuS Dassendorf, sondern auch mit dem Saisonziel, was die Kreuzkirchler im Anschluss doch sehr deutlich formulierten. Torschütze Noor Al-Tamemy gab die Marschroute vor: „Wir wollen Meister werden!“. Na, endlich. Immerhin mal ein Team, was diesen Anspruch auch ausspricht. Gleiches Ziel dürfte nebenbei bemerkt auch ein Absteiger haben, der vor der Saison aber eher norddeutsches Understatement betrieb. Aber zurück zum Thema. T05-Coach Sören Titze bestätigte die Aussage Tamemy’s zwar im Anschluss, umschiffte das Wort Meister dabei aber so gut wie möglich. Titze: „Wir waren in der letzten Saison Zweiter und wollen besser abschneiden, als im letzten Jahr. Da kann sich jeder ausrechnen, dass da nicht mehr viel Platz nach oben ist. “Ich wage allerdings trotzdem zu behaupten, dass ein möglicher Aufstieg für Teutonia 05 aus meiner Sicht zu früh kommen würde. Natürlich ist man im letzten Jahr unter anderen Vorzeichen in die Aufstiegsrunde gegangen, aber selbst wenn man die überstanden hätte, wäre man dieses Jahr gnadenlos in der Regionalliga unter gegangen. Auf der einen Seite muss es zwar der Anspruch sein – und diesen sollte auch Hamburg als Stadt haben – das neben dem HSV, St. Pauli und Norderstedt noch eine vierte Mannschaft aus der Region Regionalliga spielt. Aber das ein Großteil der Spieler einfach nicht die Qualität hat, um in der Regionalliga zu bestehen, das haben wir in den letzten Jahren immer wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt bekommen. Wer in der Regionalliga bestehen will, muss nun mal sehr kräftig in die Tasche greifen. Ich bin gespannt, ob die Ottenser diesen großen Kraftakt wagen.

Foto: KBS-Picture

Über Niklas Heiden

Niklas Heiden
Chefredakteur: Niklas ist Initiator von Amateur Fußball Hamburg und somit seit der ersten Stunde mit an Bord. Der 19-Jährige interessiert sich für alles, was im Hamburger Amateurfußball vor sich geht und hat dieses Projekt deshalb ins Leben gerufen.