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Bundesliga

„Wir fahren zweigleisig“ – HSV vor dem Abstieg

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Der HSV steht vor dem Abgrund: Auch gegen Mainz 05 reichte es nicht zum Dreier – 0:0 hieß es nach 90 chancenreichen Minuten. Vor allem einer stach dabei heraus: Filip Kostic vergab nicht nur eine dicke Chance im ersten Abschnitt, sondern ließ auch einen Strafstoß leichtfertig liegen.

Große Überraschung schon vor dem Anpfiff: Die drei großen Hamburger Ultra-Gruppen boykottierten die Nordtribüne, an der die Vereinsführung unter der Woche die Zäune wieder auf 2,20 Meter erhöht hatte. Kurzerhand stellten sich die Ultras in den Oberrang und starteten den Support von dort. Auf dem Feld überraschte dann HSV-Coach Bernd Hollerbach mit Sven Schipplock in der Startelf, der schon in den ersten Minuten seine Visitenkarte in der Offensive abgab. Der 29-Jährige tanzte einen Gegenspieler aus und kam aus spitzem Winkel zum Abschluss, M05-Schlussmann Florian Müller rettete mit einer Galnztat (5.). Und auch ansonsten starteten die Rothosen mit deutlich mehr Schwung als in den letzten Wochen, die brisante Situation im Abstiegskampf schien neue Kräfte freigesetzt zu haben. Aber auch die Gäste aus Mainz meldeten sich zu Wort. Robin Quaison wurde auf die Reise geschickt, konnte HSV-Keeper Christian Mathenia aber nicht überwinden (14.). Die dickste Möglichkeit im ersten Abschnitt hatten dann aber dennoch die Hollerbach-Schützlinge. Bakery Jatta brachte die Kugel von der rechten Außenbahn in die Box, wo erst Sven Schipplock die Pille verpasste und Filip Kostic den Ball an den Querbalken semmelte (22.). Doch die Hamburger blieben dran und kamen – wenn auch nur kurz – zur Führung. Schipplock steckte die Kugel für Kostic durch und dieser versenkte den Ball im Netz. Großer Jubel im Volkspark, doch der Treffer zählte nicht. Videoassistent Guido Winkmann hatte zuvor eine Abseitsstellung erkannt (24.).

Die Richtung stimmte weiterhin bei den Rothosen, allerdings ohne die nötige Genauigkeit im Abschluss. In der Pause reagierte HSV-Coach Bernd Hollerbach und brachte Luca Waldschmidt für Aaron Hunt. Und auch in den zweiten Abschnitt starteten die Hausherren besser. Kostic flankte von links und Schipplock legte den Ball per Kopf für Rick van Drongelen ab. Doch der Niederländer semmelte die Kugel knapp über den Querbalken (48.). Aber auch die Schwarz-Elf meldete sich schnell vor dem Hamburger Gehäuse. Der eingewechselte Daniel Brosinski platzierte einen Freistoß nur ans Außennetz (51.). Nach etwas mehr als einer Stunde dann erneut die Möglichkeit für die Gastgeber, in Führung zu gehen. Luca Waldschmidt wurde von Leon Balogun im Sechzehner zu Fall gebracht und Referee Markus Schmidt zeigte auf den Punkt – zeigte dem Mainzer Gelb/Rot. Filip Kostic nahm sich der Sache an, doch der Serbe scheiterte an M05-Keeper Florian Müller (61.). In der Folge zog Hollerbach seine letzte Option, brachte Youngster Fiete Arp für Gideon Jung auf den Platz. Doch auch der Hoffnungsträger der letzten Wochen konnte die Hamburger nicht mehr zu Sieg führen, am Ende stand ein 0:0 zu Buche. Der anschließende Gang zu den Fans wurde nicht nur mit Pfiffen und Mittelfingern, sondern auch mit eindeutigen Spruchbändern quittiert. Selbst Sportvorstand Jens Todt wollte die Situation nach dem Abpfiff nichts mehr schönreden.

„Es muss schon in den nächsten Spielen etwas sehr außergewöhnliches passieren, damit wir noch in der Liga bleiben“, erklärte Todt nach dem Abpfiff und fügte an: „Das Einzige, was ich der Mannschaft heute vorwerfen kann ist, dass wir kein Tor gemacht haben. Wir waren zwar heute die klar bessere Mannschaft, aber dennoch hat der Gegner deutlich mehr Punkte auf dem Konto als wir. Es ist ein Wahnsinn, dass wir dieses Spiel nicht gewonnen haben“, erklärte der 48-Jährige weiter. Von Planungssicherheit für die zweite Liga will Todt dennoch nicht sprechen. „Auch wenn wir nun etwas ganz außergewöhnliches leisten müssen, ist der Klassenerhalt noch möglich. Der HSV fährt seit fünf Jahren zweigleisig und das werden wir auch in diesem Fall tun.“ Stürmer Sven Schipplock, der überraschend von der Tribüne auf den Rasen wechselte, nahm ebenfalls kein Blatt vor den Mund. „Von Natur aus bin ich ein Mensch, der immer erst dann aufgibt, wenn es wirklich vorbei ist. Aber wir sind alle realistisch genug um zu wissen, dass wir heute gewinnen hätten müssen, um am Ende noch eine Chance auf den Klassenerhalt zu haben“, so Schipplock, der anfügte: „Es wird sehr, sehr, sehr schwierig, nun noch einen einzuholen.“ HSV-Zepterschwinger Bernd Hollerbach bilanzierte abschließend: „Wir haben heute alles reingehauen. Mir tut das heute einfach unfassbar Leid für die Mannschaft, aber auch für die Fans, dass wir uns nicht belohnt haben.“

Foto: KBS-Picture

Chefredakteur: Niklas ist Initiator von Amateur Fußball Hamburg und somit seit der ersten Stunde mit an Bord. Der 22-Jährige interessiert sich für alles, was im Hamburger Amateurfußball vor sich geht und hat dieses Projekt deshalb ins Leben gerufen.