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Oberliga Hamburg

Zuschauer: Hat der Amateurfußball noch eine Chance?

Markus Krause

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Zuschauer: Ein weitreichendes Problem im Hamburger Amateurfußball. Sie und die Einnahmen fehlen vielen Klubs, doch woran liegt das und warum gehen nur so wenige Zuschauer zum Sportplatz um die Ecke?

Das Problem der sinkenden Zuschauerzahlen in der Oberliga ist nicht neu, dennoch ist es erschreckend, dass sich im Laufe der letzten 50 Jahren die Zuschauerzahlen, verglichen mit dem schlechtesten Durchschnitt von 1400 Zuschauern in der Regionalliga Nord (damals zweithöchste Liga Deutschlands), mehr als halbiert haben. Während Vereine wie der Hamburger SV seine Zuschauerzahlen verdoppeln oder der FC St. Pauli die Zuschauerzahlen sogar verfünffachen konnte, mussten unsere Amateurclubs starke Einbußen hinnehmen. Schauen wir uns die Zahlen der vergangenen Saison an: Während sich Altona 93 noch über überdurchschnittliche 781 Zuschauer freuen durfte (und trotzdem drei Viertel seiner Zuschauer seit damals verloren hat), kommt der FC Süderelbe lediglich nur noch auf 435 Zuschauer und stellt damit trotzdem die zweitmeisten Zuschauer. Alle anderen Vereine schafften es nicht einmal mehr 350 Fußballbegeisterte ins Stadion zu locken, weit abgeschlagen davon ist sogar der TuS Germania Schnelsen, welcher nur noch erschreckende 112 Zuschauer (durchschnittlich) in der eigenen Spielstätte begrüßen konnte. Woran liegt es also, dass sich die Hamburger Fans nur noch für ihre Proficlubs interessieren, nicht aber mehr für den Amateurbereich?

Und gibt es überhaupt eine Möglichkeit, diesen Abwärtstrend aufzuhalten? Das deutsche Ligensystem hat sich seit der letzten Reform im Übergang vom Amateur- zum Profifußball selbst Barrieren geschaffen, die von den unterklassigen Vereinen nur schwer zu überwinden sind. So wird beispielsweise der Aufstieg zu einer Mammutaufgabe, nicht zuletzt dadurch, dass die Meister der Oberligen bzw. der Regionalligen nicht direkt aufsteigen. Auch finanziell bedeutet dies einen enormen Aufwand für die Klubs, der unter anderem dafür sorgte, dass es in den letzten Jahren entweder gar keine oder maximal eine Mannschaft gab, die den Sprung in die Regionalliga wagen wollte. Das es in der Oberliga also im Grunde nur noch um einen „Ehren“-Meisterschaftstitel geht, trägt sicherlich nicht gerade dazu bei, die Attraktivität der Liga zu steigern. Wenn es nämlich um etwas geht, dann ist auch das Interesse der fußballbegeisterten Hamburger da: Als in der Saison 2013/2014 im Rahmen des DFB-Pokals Hannover 96 zum SC Victoria kam oder der USC Paloma in der abgelaufenen Saison auf die TSG 1899 Hoffenheim traf, war das Stadion an der Hoheluft stets mit über 4000 Zuschauern gefüllt.

Auch wenn dort das Pokalfinale, welches zur Teilnahme am DFB-Pokal berechtigt, abgehalten wird, sind die Tribünen stets gut gefüllt. Es liegt also am Hamburger Fußball Verband die Liga wieder für die Zuschauer interessant zu machen. Sei es durch Topspiele, welche bestenfalls abends abgehalten und in der ganzen Stadt beworben werden sollten oder Werbeträger wie ehemalige, prominente Fußballer (von welchen wir in unserer Stadt nun wirklich genug haben) für den Hamburger Amateurfußball zu gewinnen. Dies würde eine enorme Aufwertung der Liga bedeuten und könnte langfristig für vollere Stadien sorgen. Auch könnte darüber nachgedacht werden, Prämien für den Meister sowie die nachfolgenden Plätze (beispielsweise Platz 2 bis 5) einzuführen, um es den Mannschaften leichter zu machen, ihre Aufstiegsambitionen verwirklichen zu können. Wenn man es also schafft, wieder mehr Wettbewerb in der Liga zu schaffen, so wird sich dies auch langfristig auf unseren Sport, den wir alle so lieben, auswirken.

Foto: Niklas Heiden

Redakteur: Markus ist erst seit wenigen Jahren Hamburger und daher relativ neu im Amateurfußball. Vorher hat er hauptsächlich über die Bundesliga berichtet, ehe es den gebürtigen Nettetaler nun zu den "Wurzeln des Sports" zieht.