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Interview

Das „Dasse“-Multitalent Martin Schauer

Niklas Heiden

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Foto: Heiden

Er ist zielstrebig, weiß was er will und möchte ab sofort die Oberliga Hamburg aufmischen. Die Rede ist von Martin Schauer, Winter-Neuzugang der TuS Dassendorf. Im AFH-Interview sprach der 19-Jährige nun über seine bisherige Karriere, eine unschöne Krankheit und seine Familie.

Moin, Martin! Vielen Dank, dass Du dir Zeit für das Interview nimmst. Du zählst ab 1.1.2020 zum „Dasse“-Kader, hast vorher beim Lüneburger SK gespielt. Was war der Grund für den Wechsel?

Schauer: „Ich habe die Vorbereitung bei Lüneburg voll mitgemacht und eigentlich lief es auch sehr gut. Aber der Trainer, Rainer Zobel, hat sehr wenig auf junge Spieler gesetzt. Ich hatte trotzdem ein gutes Verhältnis bei Herrn Zobel, aber die Spielpraxis war halt nicht da. Das war der Grund für den Wechsel. Dassendorf passt sehr gut in meine Ausbildung, ich brauche nur zehn Minuten zum Training. Zudem ist es dort alles auf einem sehr hohen Niveau und auch die Bedingungen sind in Dassendorf einfach top.“

Wenn man sich Deine Statistiken anschaut, dann fällt auf, dass Du zuletzt wenig gespielt hast. Das gilt sowohl für die U23 von Hansa Rostock, als auch für den LSK. Was hat dich gehindert?

Schauer: „Das letzte Jahr bei Hansas U23 war nicht so gut, weil ich Pfeiffersches Drüsenfieber hatte. Drei Monate konnte ich deshalb kein Fußball spielen. Danach war es für mich schwer, zurück ins Team zu finden. Mein Vertrag lief zu diesem Zeitpunkt auch aus und ich wollte auch gerne zurück nach Hamburg. Da ich gerne in die Regionalliga wollte, passte das mit dem LSK ganz gut. Da der LSK aber viele lange Bälle gespielt hat, war das nicht unbedingt das richtige Spielsystem für mich. Da war es sehr schwierig für mich, mich dem anzupassen. Deshalb habe ich mich für einen Wechsel entschieden.“

Wie geht man, gerade als junger Mensch, mit der Diagnose Pfeiffersches Drüsenfieber um?

Schauer: „Am Anfang war das für mich nicht so schlimm. Auch der Arzt hat gesagt, dass ich nur drei Wochen pausieren muss. Aber bei mir hat es sehr lange gedauert, ich hatte acht Wochen lang 40 Grad Fieber. Ich habe den ganzen Tag nur gegen die Wand geguckt und im Bett gelegen. Zu allem Überfluss hat sich dann noch ein Hirn-Nerv entzündet und ich hatte Probleme, einige Muskeln im Gesicht zu bewegen. Nach einigen Tagen im Krankenhaus wurde es dann besser und konnte wieder nach Hause.“

Martin Schauer ist auf der „Sechs“ zu Hause und will dort die Bälle verteilen. Foto: Heiden

Gib uns doch bitte mal einen kleinen Einblick, wo Du dich auf dem Platz am wohlsten fühlst.

Schauer: „Ich spiele auf der Sechs. Da wurde ich beim LSK und auch in Dassendorf geholt. Ich bin eher für den Spielaufbau zuständig. Aber als Aushilfe kann ich auch in der Innenverteidigung spielen.“

Wie kam es zum Kontakt mit Dassendorf? Für junge Talente ist der Verein ja nicht so bekannt.

Schauer: „Das war sogar relativ kurios. Wir hatten in Lüneburg immer um 16 Uhr Training und das habe ich durch meine Ausbildung meistens nicht geschafft. Dadurch, dass mein Vater noch bei Dassendorf in den Senioren spielt, kam da ein Kontakt zu Stande. Meine erste Kinder-Station war auch Dassendorf. Dadurch, dass „Dasse“ aktuell die Nummer eins hinter Norderstedt und den Profi-Klubs ist, habe ich gefragt, ob ich bei denen zwei Mal die Woche mit trainieren kann, weil ich es nicht immer nach Lüneburg geschafft habe. Eigentlich war es gar nicht geplant, dass ich wechsle. Aber die Jungs haben mich so gut aufgenommen und ich hatte dann tolle Gespräche mit Jean-Pierre Richter und Jan Schönteich. Das war dann mit der ausschlaggebende Punkt für mich. Das Gesamtpaket hat für mich am Ende gut gepasst.“

Jan Schönteich gilt als harter Verhandlungsgegner. Haste dich dort schnell durchsetzen können? Als Bayern-Fans müsstet Ihr doch einen schnellen Draht zueinander gefunden haben, oder?

Schauer: „Das wusste ich bisher noch gar nicht. Hätte ich das mal vorher gewusst (lacht). Dann hätte ich besser verhandelt. Nein, Spaß beiseite. Wir haben uns relativ schnell geeinigt. Der Verein wollte mich gerne verpflichten und dann haben wir einen guten Weg gefunden, mit dem beide Seiten leben können.“

Du bekommst bei Dasse die Trikotnummer 13. Hat das einen besonderen Hintergrund für Dich?

Schauer: „Tatsächlich ja. Ich hatte früher bei St. Pauli immer die zehn, aber meine Mutter hat am 13.03 Geburtstag. Zudem haben viele Verwandte mich oft mit Michael Ballack verglichen. Der Hauptgrund ist aber meine Mutter. Ich wollte sie dann immer gerne haben und in Dassendorf war sie jetzt frei. Jan hatte mir zuerst gar nicht gesagt, dass sie frei ist. Das hartnäckige Nachfragen hat sich am Ende ausgezahlt.“

Liebe geht durch den Magen: Martin Schauer hat in Dassendorf seine sportliche Heimat gefunden. Foto: Heiden

Du hast acht Jahre beim FC Sankt Pauli gespielt. Wieso ging diese Zeit für Dich dann zu Ende?

Schauer: „Das lief relativ blöd damals. Timo Schultz kam komplett neu in den Verein und hat dann einen relativ großen Umbruch mit dem Team vollzogen. Ich habe damals ein Probetraining bei Hansa Rostock gemacht, aber die haben eher einen Innenverteidiger und keinen Sechser gesucht. Ich wollte aber gerne B-Jugend Bundesliga spielen. Die Möglichkeiten rund um Hamburg waren da aber begrenzt. In Magdeburg hat es dann geklappt und wir hatten auch relativ gute Jungs im Team. Ich habe dann mit 15 alleine, mit einem Spieler von RB Leipzig, in einer WG gewohnt. Meine Eltern haben im Nachhinein auch gesagt, dass es wohl keine so gute Idee war. Es war sportlich auch nicht so ein gutes Jahr, deshalb war ich auch viel zu Hause. Ich bin dann mit dem Zug immer gependelt. Ich war sehr selbstständig.“

Mit 15 Jahren ist das aber schon ein großer Schritt. Konntest Du denn Erfahrungen sammeln?

Schauer: „Ich würde schon sagen, dass es mir etwas gebracht hat. Auch in den letzten beiden Jahren in Rostock habe ich in einer WG mit unserem damaligen Athletiktrainer gewohnt. Man lernt, wie das alleine ist. Aber ohne meine Eltern wäre ich trotzdem nichts gewesen. Die haben mir immer vorgekochte Nudeln mit gegeben. Ich hätte es auch gar nicht geschafft zu kochen. Ich hatte meine Ausbildung und bin Abends zum Training gekommen. Danach habe ich noch gelernt. Da war ich froh, dass ich etwas zu Essen hatte. Ohne meine Eltern hätte ich das alles nicht geschafft. Ich habe in der Zeit viel gelernt.“

Du hast das letzte halbe Jahr kaum gespielt. Was hat das in Dir persönlich ausgelöst?

Schauer: „Es war eher der Frust, als das ich sauer war. Ich bin aber sehr diszipliniert und gebe nicht so schnell auf. Ich trainiere die ganze Woche. Es ist halt in diesem halben Jahr so gewesen, da musste ich durch. Aber ich möchte so schnell wie möglich wieder spielen und das war ja auch der Grund für den Wechsel. Ich merke das vor allem am Wochenende, wenn ich noch zugucken muss. Mir fehlt auch die Leichtigkeit auf dem Platz noch, das habe ich gemerkt. Da wird man schnell unsicher, spielt Fehlpässe.“

Trotz deiner NLZ-Ausbildung schien es für Dich klar zu sein, dass man sich ein zweites Standbein aufbauen sollte. Hast Du tatsächlich dran gedacht, dass es mit Profi werden nicht klappen kann?

Schauer: „Der ausschlaggebende Faktor waren meine Eltern. Die haben immer gesagt, dass ich meine Schule machen soll. Aber auch ich persönlich habe mir immer gesagt, dass es nicht nur mit Fußball geht. Ich wollte immer neben dem Fußball schon Geld verdienen, um auch mein eigenes Leben finanzieren zu können. Meine Eltern haben da Druck gemacht, weil ohne Druck wird das nichts. Was ich mache war am Ende meine Entscheidung. Ich wollte gerne etwas im sportwissenschaftlichen Bereich machen. Auch Medizin hat mich interessiert. Deshalb habe ich eine Ausbildung zum Physiotherapeuten begonnen. Später würde ich gerne mich selbständig machen und eine eigene Praxis haben. Das wäre mein Traum.“

Der 19-Jährige will in der Rückrunde die Oberliga Hamburg aufmischen und trainiert dafür hart. Foto: Heiden

Viele Menschen wissen nicht, was sie nach ihrem Abitur machen sollen. Warst Du da anders?

Schauer: „Ja. Das hat viel mit meinen Eltern zu tun, aber ich bin auch selber sehr diszipliniert. Ich bin nicht der Typ, der auf Kosten seiner Eltern dann erstmal ins Ausland geht. Meine Eltern haben mich viel unterstützt, haben mich immer zum Training gefahren. Ohne sie wäre das alles nicht gegangen. Deshalb wollte ich auch so früh wie möglich selbst Geld verdienen. Ich hatte einen klaren Plan, was ich tun will.“

So eine Ausbildung scheint schon sehr anspruchsvoll zu sein, oder wirkt das von außen nur so?

Schauer: „Das verlangt sehr viel Disziplin. In der Woche habe ich für nichts anderes Zeit. Man muss sich immer neu motivieren. Meine Woche besteht nur aus Schule, Fußball und Fitness. Das Wochenende ist dann zum Entspannen. Wenn man in der Mitte der Ausbildung ist und man dann am Wochenende nicht gespielt hat, dann denkt man sich manchmal schon, warum man das macht. Im Endeffekt weiß ich aber immer, warum ich das mache. Und wenn man damit noch durch ist, dann ist man umso glücklicher.“

Du hast sehr viel von Deinen Eltern und der Unterstützung ihrerseits, gerade im Jugend-Bereich, erzählt. Ihr scheint eine enge Bindung zueinander zu haben, oder täuscht der erste Eindruck?

Schauer: „Ich bin ein sehr familiärer Mensch. Mich haben immer alle unterstützt. Meine Mutter, mein Vater und meine Schwester haben mich immer zum Training gefahren. Auf dem Weg wurden dann im Auto Hausaufgaben gemacht. Mein ganzes Leben bestand aus Schule und Fußball. Wenn andere abends raus gegangen sind, gab es bei mir nur Training und Schule. Ohne meine Eltern hätte mir sicherlich die Kraft und der Mut gefehlt, immer am Ball zu bleiben. Da mein Papa auch früher bei Hansa Rostock gespielt hat und meine Mutter war Turmspringerin. Wir sind seine sehr sportliche Familie und deshalb haben sie sich auch immer dafür interessiert, was ich gemacht habe. Das hat mir immer geholfen.“

Fehlt Dir es denn gar nicht, auch einfach mal nebenbei etwas mit Freunden zu unternehmen?

Schauer: „Ich komme damit gut klar, muss ich sagen. Ich kenne den Weg nur so und habe mich daran gewöhnt. Ich gehe zwar gerne mal los, aber ich muss auch nicht immer weg sein. Man freut sich mehr auf die freie Zeit, als wenn man das immer machen kann. Es ist schon viel Stress, aber ich bin auch so ein Mensch geworden, dass wenn ich nichts mache, dann fühle ich mich direkt schlecht. Aber normalerweise genieße ich meine freie Zeit und gehe dann auch gerne mal weg. Es ist nur nicht so oft wie bei anderen.“

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Chefredakteur: Niklas ist Initiator von Amateur Fußball Hamburg und somit seit der ersten Stunde mit an Bord. Der 20-Jährige interessiert sich für alles, was im Hamburger Amateurfußball vor sich geht und hat dieses Projekt deshalb ins Leben gerufen.