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Oberliga Hamburg

So denken Hamburgs Oberliga-Kicker über den Abbruch

Niklas Heiden

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Foto: KBS-Picture

Seit Wochen gibt es im Hamburger Amateurfußball kaum ein anderes Thema als den drohenden Saisonabbruch. Am 4. Februar könnte der HFV diesen offiziell beschließen. Doch was sagen die Spieler zur jetzigen Corona-Situation? AFH hat mit vier Oberliga-Kickern darüber gesprochen.

Die Saison in Hamburgs Amateurfußball steht kurz vor dem Abbruch: Das ist das Ergebnis des Dialoges zwischen dem Hamburger Fußball-Verband und seinen Mitgliedsvereinen. Schon am 4. Februar will der Verband den Abbruch offiziell beschließen. Die neue Saison würde dann frühestens im Juni starten, bis dahin soll nach Möglichkeit ein Pflicht- Freundschaftsspielbetrieb möglich gemacht werden. Doch was halten eigentlich die Spieler von dem Vorhaben des Verbandes? AFH hat vier Oberliga-Kicker nach ihrer Meinung gefragt. Herausgekommen ist ein diverses Bild und keine wirklich eindeutige Entscheidung.

Vier Spieler, vier Meinungen – und kein wirklicher Konsens

„Was will der Verband auch machen? Auf denen hacken sowieso alle rum. Es war schon im Frühjahr so, dass der Verband als einer der Letzten gesagt hat, dass sie abbrechen. Da haben wir uns alle an den Kopf gefasst, weil sie sich so lange Zeit gelassen haben. Und jetzt sind sie einer der ersten, die sich hinstellen und sagen, dass sie abbrechen wollen. Ich finde das vernünftig, weil ich glaube, dass es sehr schwierig ist, immer so ein auf und ab zu haben. Es ist sehr nervig“, erklärt uns Torben Wacker vom Hamburger SV III auf Anfrage. Ähnlich argumentiert auch Marvin Schalitz von Curslack-Neuengamme. „Ich glaube als Außenstehender ist es immer einfacher seine Gedankengänge mitzuteilen, als wenn man für den gesamten Amateurfußball in Hamburg verantwortlich ist. Für mich ist der Schritt des HFV richtig, auch dass der Verband auf die Vereine zugekommen ist“, so Schalitz. Anders sieht es Pascal El-Nemr vom HSV Barmbek-Uhlenhorst. „Ich finde, dass alle dieselben Voraussetzungen haben. Deshalb können wir die Saison aus meiner Sicht auch normal beenden – mit Wertung. Es ist nicht so, als wenn jemand trainieren darf und andere nicht, wie in der Regionalliga. Jeder hätte auch dieselbe Zeit, sich wieder vorzubereiten. Wenn ich online sehe, dass Leute schreiben, dass man das den Spielern nicht zumuten kann, dann muss ich sagen, dass man es schon kann. Wir haben nach dem ersten Lockdown gezeigt, dass es möglich ist. Natürlich gibt es Anlaufschwierigkeiten, aber jeder Spieler ist dafür verantwortlich, dass er einen Fitnessstand hat“, so der Oberliga-Flügelflitzer. Für verfrüht hält den jetzigen Abbruch auch Wacker.

Oberliga-Spielern fehlt die Gemeinsamkeit mit der Mannschaft

„Sicherlich ist es ein früher Zeitpunkt und man könnte am Ende März wieder spielen. Dann sind es aber nur noch englische Wochen, dass würden wir als Fußballer natürlich geiler finden. Ich habe lieber eine Saison, die normal zu Ende geht, aber ich glaube, dass es einfach nicht vernünftig ist, die Saison normal zu beenden. So können wir einen sauberen Cut machen und dann neu starten“, bilanziert Wacker schweren Herzens, dem vor allem die Kontakte fehlen. „Mir fehlt es tierisch mit den Jungs auf den Platz zu stehen, danach noch in der Kabine ein paar Bierchen zu trinken. Dieses klassische Zusammensein fehlt extrem“, so der Verteidiger. Ähnlich argumentiert auch Patrick Hartmann vom SV Rugenbergen. „Zum einen ist der Anreiz bei uns Sportlern da, wieder auf den Platz zu können. Der Wettbewerb und das Zusammenkommen als Mannschaft fehlt ungemein. Es ist ja ein Bestandteil unseres Wochenablaufes. Wenn ein Go kommen würde, wäre ich sofort dabei. Auf der anderen Seite steht es hier um politische Entscheidungen, vor allem um Schulen und Kitas. Aus meiner Sicht hat der Amateurfußball da keine Priorisierung vor anderen Bereichen verdient“, so der Oberliga-Schlussmann, der ergänzte: “Es ist dann natürlich schade, dass die gespielten Spiele nun hinten runterfallen, weil die Saison nicht gewertet wird, aber es trotzdem richtig aus meiner Sicht, abzubrechen. Natürlich gibt es deswegen auch Gewinner und Verlierer, das ist ganz klar.“ Deutliche Kritik gibt es zudem an den Pflicht- Freundschaftsspielen.

Testspiel-Modell wird von den Spielern eher kritisch gesehen

„Wenn ich dann höre, dass der Verband auf der einen Seite die Saison absagen will und auf der anderen Seite Testspiele organisieren möchte, dann finde ich das wiederum kurios. Weil dann könnten wir die Saison auch gleichlaufen lassen und später beenden. Trotzdem halte ich die Entscheidung für vernünftig, auch wenn es mir als Fußballer weh tut. So können wir im Sommer vielleicht wieder eine normale Saison beginnen“, meint Wacker. Ähnlich argumentiert auch BU-Akteur El-Nemr. „Pflicht- Freundschaftsspiele zu machen, bringt aus meiner Sicht gar nichts, weil der Pokal ja auch weitergespielt wird. Die Leute sollen sich mal lieber darüber aufregen, dass die Regionalligisten wieder trainieren dürfen und dann im Pokal einen Vorteil haben. Für mich wäre auch eine Wertung nach einer einfachen Hinrunde aus meiner Sicht korrekt und auch sportlich angemessen“, so der 28-Jährige. Ebenso hält Hartmann wenig von der Testspiel-Lösung. „Wir trainieren aber nicht für Freundschaftsspiele, sondern für den Wettbewerb. Deshalb sollte die aus meiner Sicht dann kürzer gehalten werden. Ich kann den Abbruch verstehen, würde mir aber wünschen, dass wir dann früher in die neue Saison starten und die warmen Sommermonate nutzen, um zu spielen“, schaut der Torwart abschließend bereits in die Zukunft.

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Chefredakteur: Niklas ist Initiator von Amateur Fußball Hamburg und somit seit der ersten Stunde mit an Bord. Der 22-Jährige interessiert sich für alles, was im Hamburger Amateurfußball vor sich geht und hat dieses Projekt deshalb ins Leben gerufen.