Samstag, 25. Mai 2019
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Wolf wackelt: HSV blamiert sich gegen FCI

Der Aufstieg rückt in immer weitere Ferne: Vor 50.768 Zuschauern verlor der Hamburger SV am Samstagnachmittag mit 0:3 gegen den FC Ingolstadt. Viele Fans verarbeiteten die Begegnung mit Galgenhumor. Für Trainer Hannes Wolf wird die Luft nach der bitteren Pleite nun immer dünner.

Ex-Rothose Mergim Mavraj (li.) im Zweikampf mit Manuel Wintzheimer (re.). Foto: KBS-Picture

Die erste Szene des Spiels gehörte dem HSV. Nach einem Freistoß von Douglas Santos landete das Leder auf dem Schädel von Leo Lacroix, der seinen Kopfball auf den Kasten der Schanzer allerdings nicht platzieren konnte (3.). Besser machten es die Gäste auf der Gegenseite. Nach einem langen Ball aus der eigenen Abwehr verschätzte sich Lacroix komplett und machte so den Weg für Dario Lezcano frei. Der Ingolstadt-Stürmer machte sich auf die Reise, schlug nochmal einen Haken und donnerte die Pille anschließend in den rechten Giebel (8.). Erneut wurden die Rothosen kalt erwischt und für ihre einfachen Fehler konsequent bestraft. Und keine 120 Sekunden später brannte es erneut lichterloh im HSV-Sechzehner. Diesmal war es Thomas Pledl, der links im Strafraum bedient wurde und nur an der knappen Fußabwehr von HSV-Keeper Julian Pollersbeck scheiterte (10.). Länger unterbrochen wurde die Partie nur kurz drauf, weil Mergim Mavraj nach einem Eckball mit dem Kopf gegen Bakery Jatta gerauscht war. Der ehemalige Hamburger konnte aber weitermachen. Auf der Gegenseite ließ dann Bakery Jatta die Chance zum Ausgleich liegen. Der Gambier bekam einen Kopfball direkt auf dem Silbertablett serviert, setzte seinen Abschluss aber knapp rechts am Pfosten vorbei (17.). Ansonsten beruhigte sich die Partie in der Folge ein wenig, was die Torszenen anging. Die Rothosen waren zwar bemüht die Lücke in der tief gestaffelten Schanzer-Defensive zu finden, scheiterten aber kläglich. Hinzu kamen sehr viele einfache Abspielfehler. Erst kurz vor dem Pausentee kamen die Wolf-Schützlinge wieder etwas in Fahrt. Douglas Santos steckt das Leder in den Lauf von Jatta durch, der die Pille in die Mitte flankte. Dort war der Kopfball von Hee-Chan Hwang allerdings zu ungenau (43.). Kurz darauf ging es für die Teams zurück in die Kabinen.

Nahmen dem HSV am Ende eiskalt auseinander: Ingolstadt bejubelt das 3:0. Foto: KBS-Picture

Nach dem Seitenwechsel starteten die Hamburger deutlich verbessert in die Partie. Bereits nach etwas mehr als zwei Minuten ließen die Rothosen die Chance zum Ausgleich liegen. Jatta spielte die Pille vom linken Flügel an die Sechzehnerkante, wo Orel Mangala lauerte. Der Belgier fackelte nicht lange und zog aus 18 Metern einfach mal ab. Sein Schuss streifte nur knapp über den Querbalken (48.). Mit der Hereinnahme von Pierre-Michel Lasogga und auch Josha Vagnoman für den enttäuschenden Hwang und Sakai wollte Wolf nochmal ein Zeichen setzen. Und nach etwas mehr als einer Stunde hätte das auch beinahe geklappt. Lacroix zog aus der zweiten Reige einfach mal ab, Lasogga rutsche im Strafraum nur knapp am Ball vorbei (67.). Nahezu im Gegenzug mussten die Hamburger die nächste bittere Pille schlucken. Vagnoman verlor kläglich als letzter Mann einen Zweikampf an der Mittelinie, schickte damit Pledel auf die Reise und dieser vollstreckte eiskalt zum 2:0 für die Gäste (69.). Nun brachten die Rothosen völlig in ihre Einzelteile, die Fans verließen in Scharen das Stadion. Marcel Gaus netzte nur 180 Sekunden später durch einen abgefälschten Schuss zum 3:0 für die Schanzer ein (72.), bekam dafür sogar Applaus von der Nordkurve. Am Ende blieb es bei dem enttäuschenden 0:3 für die Ingolstädter. Mit Piffen schickten die Fans die Rothosen zurück in die Kabine. Dennoch stellten sich einige Spieler nach Abpfiff der Wut der Fans, suchten vor der Nordkurve den Dialog. Rick van Drongelen schlurfte nach Abpfiff weinend in die Mixed-Zone, verschwand schluchzend in der Kabine. Das große Ende eines bitteren HSV-Arbeitstages.

Wackelt und könnte seinen Posten räumen müssen: HSV-Trainer Wolf. Foto: KBS-Picture

Während alle Spieler nach Abpfiff in die Kabine verschwanden, stellte sich Gotoku Sakai als einziger Spieler den Fragen. „Das war nichts von uns. Durch einen kleinen Fehler liegen wir 0:1 hinten, haben dann nach der Pause alle zweiten Bälle verloren. Wir waren einfach schlecht“, stellte Sakai fest und fügte an: „Die letzte Konsequenz hat gefehlt, der letzte Pass kam nicht an. Wir können jetzt aber auch nicht alle einfach abhauen, sondern müssen besser machen, was wir heute schlecht gemacht haben“, fügte der Japaner an. Auch für die Szenen nach Abpfiff hatte der HSV-Kapitän Verständnis. „Es liegt an uns. Wenn wir so einfache Gegentore bekommen, kann ich die Reaktion nachvollziehen“, so Sakai weiter. HSV-Trainer Hannes Wolf erklärte nach dem Spiel. „Wir kriegen mit dem ersten Konter, dass 0:1, obwohl wir gut stehen. Das tut dann natürlich weh“, so Wolf, der anfügte: „Wir haben aus unseren Szenen zu wenig gemacht, wollten es dann in der Pause unbedingt drehen. Nach dem 0:2 ist es dann sehr schwer geworden“, so Wolf, der ebenfalls Verständnis für die Fans hatte. „Natürlich kippt die Stimmung. Ich fand es aber wichtig, dass das Team sich gestellt hat. Die Möglichkeit, den Relegationsplatz noch zu erreichen, ist da. Wir wollen in Paderborn gewinnen.“ Ob Hannes Wolf am kommenden Wochenende noch auf der Trainerbank der Rothosen sitzt, soll sich am Sonntag klären. Sport-Vorstand Ralf Becker vermied nach dem Spiel ein klares Bekenntnis zum Trainer. „Wenn man zu Hause 0:3 verliert, dann ist man unzufrieden. Wir werden das Spiel in Ruhe aufarbeiten und uns dann besprechen“, so Becker, der abschließend zugab: „Wir haben eine sehr junge Mannschaft auf dem Platz, aber eine gewisse Verkrampfung war zu erkennen. Die jungen Spieler können gerade mit der schweren Drucksituation nicht umgehen. Wir werden uns jetzt zusammensetzen und uns über das Spiel unterhalten. Mehr gibt es dazu heute auch nicht mehr zu sagen.“

Foto: KBS-Picture

Über Niklas Heiden

Niklas Heiden
Chefredakteur: Niklas ist Initiator von Amateur Fußball Hamburg und somit seit der ersten Stunde mit an Bord. Der 20-Jährige interessiert sich für alles, was im Hamburger Amateurfußball vor sich geht und hat dieses Projekt deshalb ins Leben gerufen.