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Oberliga Hamburg

Nachgefragt: Die Oberliga auf dem Abstellgleis?

Florian Götze

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Eine Liga ohne Aufsteiger: Jeder schlägt Jeden, Hauptsache man steigt am Ende nicht ab. Eigentlich zählt nur die Pokalrunde. Ist es noch erstrebenswert in Hamburgs höchster Spielklasse zu kicken? Wir haben bei den Beteiligten nachgefragt!

Geld, es geht wie so oft ums Geld. „Mannschaften mit viel Geld und wenig Zuschauern werden Meister, aber können trotzdem nicht aufsteigen“, bemängelt Fabian Facklam vom Meiendorfer SV. „Im Endeffekt will jeder nur noch in das Oddset-Pokalfinale um vor circa 5000 Zuschauern ein geiles Spiel zu genießen und vielleicht in den DFB-Pokal einzuziehen“ ergänzt der 25-jährige Mittelfeldspieler. Der DFB-Pokal: Die von den Profis oft belächelte und wenig lukrative erste Pokalrunde für die Top-Klubs. Für die Amateurvereine ist es eine Goldgrube. Einer der letztes Jahr zum „Helden“ wurde: „Generell halte ich die Oberliga Hamburg nicht für unattraktiv. Es gibt viele gute Mannschaften und es sind immer spannende Spiele, aber dadurch, dass es sich kaum eine Mannschaft leisten kann in die Regionalliga Nord aufzusteigen, rückt die Meisterschaft ein bisschen in den Hintergrund.“

„Hauptsächlich zählt dann erst mal der Pokal“, erzählt Yannick Jonas vom USC Paloma,der im letzten Jahr mit seinen „Tauben“ die „Raubvögel“ vom SC Condor im Elfmeterschießen bezwang. Anders sieht es ein „Raubvogel“ vom Berner Heerweg, der bereits zum zweiten Mal in Folge den großen Triumph verpasste: „Es stimmt schon, dass der Oberliga-Fußball als unattraktiv gilt, da es keine Aufsteiger gibt oder diese nicht melden können. Das ist schade, denn eigentlich hat es das Team, welches am Ende der Saison oben steht, verdient auch den Traum vom höherklassigen Fußball zu erfüllen. Ich persönlich finde die Bedingungen aber auch sehr ansprechend. Vielleicht sollte da doch etwas den Teams unter den Armen gegriffen werden. Ich meine einige Oberligamannschaften können höher spielen, aber das Geld fehlt“, rät Mike Theis, der sowohl im letzten als auch in diesem Jahr mit dem SC Condor im Pokalfinale unterlag.

„Es sollte versucht werden einen höheren Prämienpool für die oberen Teams, oder zumindest den Meister, zu erstellen damit die Meisterschaft auch den Sprung in die Regionalliga einfacher macht“ fügt der 23-Jährige an. „Man sollte die Regionalliga attraktiver machen, durch Veränderungen in den Vorlagen, die die Vereine erfüllen müssen. Den Preispool nach oben setzen, würde vielleicht auch helfen, aber dafür braucht es Geldgeber“, so Facklam vom MSV. „Wenn selbst Vicky seine vorläufige Meldung wieder zurückzieht, dann ist der Sprung zwischen den Ligen zu groß“, erklärt Facklam noch. Anders sieht das sein Bruder Dennis, der im Winter aus der Bezirksliga in die Oberliga zum Meiendorfer SV wechselte: „Die Oberliga ist immer noch die höchste Liga Hamburgs und durch viele Traditionsvereine finde ich sie sehr attraktiv. Man hat zum großen Teil sehr geile Spiele auf dem Zettel.“

„Jedoch stimmt es schon, dass man die Einstellung und Körperspannung öfter mal nicht bei 100 Prozent hat, weil es eigentlich ja um nix geht. Für viele zählt halt nur der Pokal. Aber man darf nie vergessen, man kann Hamburger Meister werden und der Titel ist für jeden Amateurspieler immer noch ein großes Ziel“, erklärt Dennis Facklam, der bis zu seinem Wechsel bei TuS Berne spielte. Die Oberliga Hamburg hat bei den Spielern also schon noch ein gewisses Standing, auch wenn der ein oder andere Kratzer vorhanden ist. Es liegt an den Verantwortlichen jetzt dagegen zu steuern, damit nicht ¾ der Teams ab der Halbserie die Lust verlieren und nur noch dafür sorgen nicht abzusteigen. Bei einem Punkt sind sich alle einig: Die Meisterschaft sollte nicht nur ein Prestigeobjekt sein.

Foto: Lars Mundt (Smart Art)

Redakteur: Florian ist gebürtiger Hamburger und leidenschaftlicher Spielbericht Verfasser. Durch seine jahrelange Tätigkeit als Trainer im Amateurfussball hat Florian einiges an Erfahrung erhalten.